Literatur

Wunschkaiserschnitt

Kaiserschnitt - Wunsch oder Notwendigkeit

ISBN 3851671600

Die Natur hat ausgedient. Kinder werden nicht einfach so auf die Welt gebracht. Die Geburt - das zentrale Event im Leben eines jeden - wird nach dem Geschäftskalender "terminisiert", und Zufällen wird von vornherein ausgewichen. "Wunschkaiserschnitt" lautet das Zauberwort, in dem uns die High-tech-Medizin Sicherheit und Planbarkeit verspricht. Natürlich entbinden - das war gestern! Oder haben wir uns heute - geblendet von Fortschritt und Technologieglauben - in eine gefährliche Sackgasse hineinmanövriert? Stehen wir gar am Beginn eines fürchterlichen Irrweges? Der Autor zeigt anhand von eindrucksvollen Beispielen, wie sehr unterschiedlich geboren werden kann: teils kulturell bedingt, aber auch als Folge verschiedener Methoden und Techniken. Ein Buch für jede Schwangere - und solche, die es noch werden wollen. Aber auch für zukünftige Väter ...

Buchkritik

Der Traum von der schmerzlosen Geburt

„Kaiserschnitt - Wunsch oder Notwendigkeit?“, so der Titel des im August erschienen Buches des Wiener Gynäkologen Dr.Wolfgang Grin, in dem er sich mit viel Einfühlungsvermögen mit einem jener großen Momente im Leben, der Geburt eines Kindes, beschäftigt. Ohne in Sentimentalität abzugleiten, analysiert der Autor die Fakten der Menschwerdung von der Antike bis zum heutigen Stand der modernen High-Tech-Medizin. Die Darstellungen der einzelnen Geburtsmethoden, problemlose vaginale Geburt, Wunschkaiserschnitt, Saugglocke / Zange und Notsectio, werden an Hand von Fallbeispielen - auch prominenten - realistisch und anschaulich vermittelt. Grin legt jedoch Wert darauf die Leserin (den Leser) nicht zu erschrecken, sondern den Schwangeren fachlich fundierte und allgemein verständliche Entscheidungshilfen bei der Wahl der für sie „richtigen“ Geburtsmethode geben. Im 21. Jahrhundert liegt es bei jeder Frau allein für welche Art der Entbindung sie sich entscheidet. Doch ist der Wunschkaiserschnitt, der das Gebären zu einer Risikokalkulation macht, wirklich der richtige, der sichere Weg? Erwecken die „Prophezeiungen für das Jahr 2023“ des Doyens der Österreichischen Geburtshilfe, Univ.Prof.Dr.Peter Husslein, primär ein etwas „mulmiges“ Gefühl in der Leserin, sind sie doch zweifelsfrei notwendig, da erst durch ärztlichen Einsatz die Grundlagen der Entscheidungsfreiheit geschaffen werden.„Neue medizinische Erkenntnisse weitern lediglich das Repertoire der Möglichkeiten, die in der heutigen Zeit machbar sind, nicht jedoch die eigentliche geistig zugrunde liegende Lebenseinstellung“, respektiert Grin den Wunsch der Schwangeren. Auch für Mediziner sehr lesenswert sind beispielsweise die Kapitel „Es war einmal“ und „Jakub Nufer - Kaponenmacher und Geburtshelfer“, der als gelernter Schweine-„Castrator“ im Jahre 1500, mit „Gottes Hülff und Beystand“, seine Frau mittels Kaiserschnitt entbindet, nachdem „dreyzehen Heb-Ammen oder Weh-Mütter und etliche Wund-Ärzte“, der seit Tagen in den Wehen liegenden Schwangeren nicht helfen können.
Ein geburtshilflich fundiertes, gut lesbares Buch, das viele Fragen von Schwangeren beantworten kann, für die in der Ordination oftmals keine Zeit ist, oder die „Frau“ erst später einfallen.

Ärztewoche
Dr. Sabine Schneider

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