Endometriose

Endometriose ist eine chronische, oftmals fortschreitende Erkrankung, bei der sich gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe zumeist im Unterbauchbereich (z. B. an Eierstöcken, Eileitern, Blase, Darm), seltener auch an anderen Organen, z. B. an der Lunge ansiedelt. In den meisten Fällen werden die Endometrioseherde von den Hormonen des Monatszyklus beeinflusst, so dass sie wie die normale Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) zyklisch wachsen und bluten.
Darüber hinaus gibt es aber auch hormonunabhängige Formen der Endometriose, die betroffene Frauen nach den Wechseljahren oder nach Totaloperationen belasten können.
Endometriose ist eine relativ unbekannte Krankheit, obwohl sie nach Expertenschätzung bei ca. 10% aller Frauen feststellbar und eine der häufigsten Ursachen für Unfruchtbarkeit ist (30% - 40% der Betroffenen haben eine eingeschränkte Fruchtbarkeit oder sind unfruchtbar).

Die Ursachen sind ungeklärt, es gibt lediglich einige Theorien über ihre Entstehung. Zur Diskussion stehen Zusammenhänge mit erblicher Veranlagung, Fehlfunktionen des Immunsystems, rückwärtigem Menstruationsfluss durch die Eileiter in das kleine Becken, lokaler Verschleppung der Schleimhaut bei Operationen an der Gebärmutter, Ausbreitung der Gebärmutterschleimhaut über Blut- oder Lymphbahnen an andere Orte im Körper.

Diagnose

Ob eine Endometriose besteht, kann nur durch einen operativen Eingriff, z. B. eine Bauchspiegelung, sicher festgestellt werden. Dabei werden die Endometrioseherde und die befallenen Organe genau betrachtet, untersucht und eine Gewebeprobe entnommen. Versuche, Endometriose durch einen Bluttest sicher zu diagnostizieren, sind bisher noch nicht ausgereift und Gegenstand wissenschaftlicher Forschung.
Erste Hinweise auf Endometriose kann eine Tast- und Ultraschalluntersuchung durch den Frauenarzt oder die Frauenärztin geben.
Ein chirurgischer Eingriff zur Abklärung des Befundes erscheint mit all seinen Risiken besonders dann sinnvoll, wenn damit gleichzeitig eine Verringerung der Symptome, wie beispielsweise die Entfernung von Zysten, Endometrioseherden oder Verwachsungen verbunden ist.
In unseren Selbsthilfegruppen haben wir mit Erschrecken festgestellt, über welch lange Zeiträume Frauen stärkste Symptome haben erdulden müssen, bevor die Diagnose "Endometriose" gestellt wurde. Bis dahin wurden die Probleme von den Ärzten oft verharmlost und auf andere Ursachen zurückgeführt.

Endometriose zeigt vielfältige Symptome, die aber nicht in jedem Fall auftreten müssen: Kreuz- und Bauchschmerzen unterschiedlicher Stärke, die auch in die Beine ausstrahlen oder zur Ohnmacht führen können, vor allem vor und während der Menstruation; starke und unregelmäßige Monatsblutungen; Schmerzen während oder nach dem Geschlechtsverkehr; Schmerzen bei gynäkologischen Untersuchungen; Schmerzen während des Eisprungs; Blasen- und Darmkrämpfe; Schmerzen bei Blasen- und Darmentleerung und bei Darmbewegungen; Erhöhte Infektanfälligkeit, insbesondere während der Menstruation; Auffallend viele Frauen leiden außerdem unter einem chronischen allgemeinen Müdigkeits- und Erschöpfungsgefühl und unter Allergien. Schon sehr kleine Endometrioseherde können starke Beschwerden verursachen. Umgekehrt können Frauen mit großen Endometrioseherden und blutgefüllten Zysten unter Umständen keinerlei Beschwerden haben.
Die Endometrioseherde bilden im Bauchraum mitunter zystische Strukturen in der unterschiedlichsten Größe, Form und Farbe, die sich entzünden können und die oft von Verwachsungen umgeben sind. Wie genau die Verwachsungen entstehen und wie sie verhindert werden können, ist noch völlig unklar. Ihre Entfernung bei Operationen scheint eine Neubildung nicht zu verhindern. Darüber hinaus begünstigen Operationen selbst die Bildung von Verwachsungen.
Abhängig davon, welchen Stärkegrad die Endometriose und die Verwachsungen aufweisen und ob für die Fortpflanzung wichtige Organe betroffen sind (Eierstöcke, Eileiter) kann die Fruchtbarkeit durch die Erkrankung erheblich eingeschränkt sein.
Wegen der starken Schmerzen, die auch beim Geschlechtsverkehr auftreten können, und wegen der möglicherweise bestehenden Unfruchtbarkeit kann Endometriose sich negativ auf Lebensqualität und Lebensumfeld der Betroffenen – z. B. auf Partnerschaft, Freundeskreis und Arbeitswelt – auswirken.

Therapiemöglichkeiten

Als Behandlungsmöglichkeiten der Endometriose sieht die Schulmedizin hauptsächlich die Verordnung von Schmerzmitteln zur Linderung der Beschwerden, der Verordnung von Hormontherapien, die durch vorübergehende Unterdrückung der Eierstocksfunktion die Endometrioseherde "austrocknen" und die operative Entfernung von Endometrioseherden und -zysten. In extremen Fällen, besonders bei wiederholt auftretenden schweren Beschwerden und wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind, werden sogar Gebärmutter, Eileiter und Eierstöcke operativ entfernt.
Da ein Teil des Endometriosegewebes durch Östrogene, also durch bestimmte weibliche Geschlechtshormone aktiviert wird, zielen die verschiedenen Hormonbehandlungen auf die Unterdrückung der Östrogenausschüttung ab. Dies kann z.B. durch die Gabe von Gestagenen (Gelbkörperhormon, das in der zweiten Zyklushälfte vom Eierstock gebildet wird) erreicht werden. Zum anderen ist eine vollständige Unterdrückung der Bildung weiblicher Geschlechtshormone – also das Herbeiführen einer Art künstlicher Wechseljahre – durch die Behandlung mit GnRH-Analoga möglich. Dadurch können bei vielen Frauen eine Zeit lang die Schmerzen oder die Neubildung von Endometrioseherden verhindert oder verringert werden. Die Nebenwirkungen dieser Behandlung sind individuell sehr unterschiedlich und teilweise beträchtlich.
Bei starken Verwachsungen und großen Zysten, die unter Umständen die Organfunktion beeinträchtigen können, ist eine Operation meistens unumgänglich.
Diese wird häufig als Bauchspiegelung (Laparaskopie/Pelviskopie) durchgeführt, um operationsbedingte Narbenbildungen und Verwachsungen im Unterleibsbereich zu vermeiden. Bei großflächigen Endometrioseherden und Verwachsungen oder deren Auftreten an ungünstig zu erreichenden Stellen wird meist ein Bauchschnitt (Laparotomie) durchgeführt
Bei den Operationen können die Herde durch Koagulation (Verdampfung, Verkochung) mit Hochfrequenzstrom, Hitze oder Laser zerstört oder durch Schnitt entfernt werden. Es ist wichtig, von einem erfahrenen Operateur behandelt zu werden, der sorgfältig den ganzen Bauchraum nach Endometriose absucht und mit den geeigneten Techniken die Endometrioseherde entfernt. Das gesunde Gewebe der befallenen Organe muss geschont werden und die Entfernung ganzer Organe, wie z. B. Eierstock und/oder Gebärmutter ist im allgemeinen nicht notwendig.

Neben der Schulmedizin bieten alternative Heilmethoden sanftere Behandlungsansätze, indem sie versuchen, den Körper und seine Funktionen wieder ins Gleichgewicht zu bringen und die Selbstheilungskräfte zu aktivieren, was die Verminderung von Endometrioseherden, ihrer Aktivitäten und der Schmerzen zur Folge haben soll.
Es gibt bereits positive Erfahrungen u. a. mit traditioneller Chinesischer Medizin und ihren Nachbargebieten, mit Homöopathie, Pflanzenheilkunde und Bioresonanztherapie. Außerdem können autogenes Training, Schüssler'sche Salze, Visualisierung, Reflexzonentherapie, Akupressur, Aromatherapie, Bäder und Kompressen sowie eine Ernährungsumstellung hilfreich sein. Welche der zahlreichen Möglichkeiten allerdings für die betroffene Frau akzeptabel, handhabbar und wirkungsvoll ist, muss sie für sich selbst herausfinden.

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Starke Regelschmerzen? Gebärmutterschleimhaut könnte die Ursache sein.
Wenn eine Frau unter starken Periodenschmerzen leidet, liegt unter Umständen eine Endometriose vor.

Endometriose, die einen chronischen Charakter annehmen kann, kommt bei rund fünfzehn Prozent aller Frauen während der Geschlechtsreife vor. Ebenfalls wird sie bei jeder zweiten ungewollt kinderlosen Frau festgestellt. Während sich die Gebärmutterschleimhaut normalerweise nur in der Gebärmutterhöhle befindet, siedelt sie sich bei diesem Krankheitsbild auch außerhalb an, beispielsweise in der Gebärmutterwand, in den Eierstöcken, den Eileitern oder in der Bauchhöhle.

Da sowohl die Schleimhaut in der Gebärmutter als auch die Schleimhautanteile in den Endometrioseherden am Ende des Monatszyklus abbluten, in einem solchen Herd jedoch kein Abflussweg vorhanden ist, vergrößern sich die Herde von Periode zu Periode bis hin zu Zysten und verursachen vielfältige Beschwerden.

Ursache

Bis heute gibt es keine gesicherten Erklärungen für die Ursache von Endometriose. Endometrioseherde finden sich sowohl in den inneren Genitalorganen, das heißt in der Scheide, Gebärmutter, in den Eierstöcken und Eileitern, aber auch in Blase, Darm oder Bauchfell, in selten Fällen sogar in Lunge oder Gehirn. Die Theorien zur Entstehung sind dementsprechend unterschiedlich:

Eine Theorie besagt, dass die Gebärmutterschleimhautzellen während der Regelblutung über die Eileiter in die Bauchhöhle gelangen und dort unter dem Einfluss von Östrogen und dem Gelbkörperhormon Progesteron zu einem Endometrioseherd heranwachsen.

Ein anderer Erklärungsansatz geht davon aus, dass sich Zellen am Eierstock oder Bauchfell in Endometriumzellen umwandeln können.

In einer weiteren Theorie nimmt man schließlich an, dass Endometriumzellen über das Blut oder die Lymphbahnen in entfernte Organe des Körpers gelangen können.

Beobachtet wird auch eine familiäre Häufung der Krankheit, was für eine erbliche Ursache sprechen würde.

Bauchspiegelung zur sicheren Diagnose von Endometriose

Die Diagnose der Endometriose erfolgt in der Regel im Rahmen der gynäkologischen Untersuchung, bei der der Arzt derbe Knoten oder Zysten ertastet, die er mit Hilfe des Ultraschalls näher untersucht.

Die sicherste Diagnose kann er mit einer Bauchspiegelung (Laparoskopie) stellen, bei der Gewebe entnommen und mikroskopisch untersucht wird. Der Eingriff wird meist in Vollnarkose unterhalb des Nabels durchgeführt. Die Endometrioseherde können bei der Untersuchung gleich entfernt werden. Während der Mediziner bei nur vereinzelten Endometriosezellen vom Stadium "gering" spricht, findet er beim Stadium "mäßig" bereits Verwachsungen der inneren Genital- und Nachbarorgane. Im Stadium "schwer" sind oft Endometriosezysten in den Eileitern und massive Verwachsungen und Verklebungen festzustellen.

Hat der Arzt einmal Endometriose diagnostiziert, wird er, nachdem er die Herde entfernt hat, weiter medikamentös nachbehandeln: und zwar mit Gelbkörperhormonen, den so genannten Gestagenen, und mit Präparaten, die die Bildung von Östrogenen vermindern und so eine "Austrocknung" der Endometriose bewirken.

In neunzig Prozent aller Fälle werden die Frauen nach einer Behandlung mit LHRH-Analoga weitgehend beschwerdefrei, etwa ein Drittel aller Frauen mit Kinderwunsch wird nach der Therapie schwanger.